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Meistertitel als allgemeiner Hochschulzugang

Am 5. / 6. März 2009 wurde in der Konferenz der Kultusminister der Bundesländer Deutschlands (KMK) der Beschluss gefasst, dass Meister einen allgemeinen und Gesellen einen fachgebundenen Hochschulzugang erhalten sollen. Voraussetzung dafür ist lediglich eine vorzuweisende dreijährige Berufserfahrung und das Bestehen eines Eignungstestes der Hochschule. Der Beschluss muss für jedes Bundesland in den Landeshochschulgesetzes (LHG) umgesetzt werden. Das Gültigkeitsdatum ist daher von Land zu Land unterschiedlich.

 

Fachkräftemangel – Handwerker an die Uni!

In Deutschland fehlen bis 2020 etwa 2,4 Millionen Facharbeiter und Akademiker, wodurch dem Staat, bzw. der Wirtschaft knapp 1,2 Billionen Euro verloren gehen würden. Natürlich ist die Politik darauf bedacht, dies nicht passieren zu lassen.

Aufgrund dieser Lücken ist die Maßnahme entstanden, dass Handwerksmeister, Techniker und Facharbeiter ebenso wie Abiturienten studieren können.

 

Hürden überwinden

Natürlich gibt es auch Hürden, die es bisher eher selten gemacht haben, dass man Facharbeiter an einer Hochschule antrifft, daher ist es nicht verwunderlich, dass nur etwa 1 % der Studenten in Deutschland studierende mit beruflicher Qualifikation, jedoch ohne Abitur sind. Eine Grenze ist jedoch auch festgelegt, die besagt, dass nur bis 5 % aller Studenten Fachkräfte aus dem Beruf sein dürfen.

Die Hauptgründe für die Zurückhaltung Berufstätiger, ein Studium zu beginnen sind unter anderem folgende:

  • Studium und Beruf lassen sich zeitlich nur schwer unter einen Hut bringen
  • Hochschulen rechnen Qualifikationen, die im Beruf erbracht wurden meist nicht an
  • Viele Meister aus Handwerksberufen haben ein Vorurteil gegen das Theoretische und sind eher praxisbezogen orientiert
  • Zusätzliche Kosten für das Studium

Die Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company, sowie die Bosch-Stiftung halten es für angebracht, das dreijährige Studium vom Staat zu subventionieren. Ein steuerfreier Zuschlag von 20 % des Bruttogehaltes auf die drei Jahre Studienzeit würde Ihrer Meinung noch mehr Fachkräfte zu einer Weiterbildung an einer Hochschule motivieren. Da dies der deutsche Wirtschaftsmotor dringend nötig hat, können wir nur darauf hoffen, dass der Einwand durchgesetzt wird.

 

Vorteile für den Betrieb

Mit der Möglichkeit, ein Studium auch nach abgeschlossenem Meistertitel machen zu können, freunden sich besonders die Betriebe schnell an. Zum einen können Sie Ihren Fachkräften mehr Perspektiven bieten und Sie so zumindest zeitweise an ihr Unternehmen binden, zum anderen wird eine Handwerksausbildung dadurch wesentlich attraktiver für junge Menschen, die nach einem geeigneten Berufsweg suchen.

 

Statistische Daten zu den Studiengängen Deutschlands

Den folgenden beiden Grafiken können Sie entnehmen, was wir anhand der Daten des Hochschulkompasses ausgewertet haben.

Auf der ersten Grafik sehen Sie die Studiengänge pro Bundesland.

Die zweite Grafik hingegen zeigt die Anzahl der Studiengänge pro Fach. Welcher Bereich ist wie hoch ausgelastet? Wie viele Plätze gibt es überhaupt maximal?

Wie viele Studiengänge es gibt, könnte für Sie dahingehend wichtig sein, um zu sehen, wo man sich eventuell gut bewerben kann und auch angemessene Chancen hat.

Meister Allgemein

Der Titel „Meister“ ist einer der höchsten Bildungsabschlüsse, die außerhalb der Universität erworben werden können. Meister sind vor allem in gewerblich-technischen und künstlerischen Berufen zu finden. Grundsätzlich bescheinigt der Meisterbrief dessen Inhaber, dass er über umfassende fachtechnische, kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse und praktisches Können in seinem Beruf verfügt. Darüber hinaus beinhaltet der Meisterbrief die Erlaubnis zur Führung eines Betriebes und der betrieblichen Ausbildung.

 

In Deutschland sind viele Meisterberufe im Handwerk zu finden und besitzen entsprechendes Ansehen. Bis zur Reform der Gewerbeordnung war es unbedingt notwendig Meister zu sein, um einen Handwerksbetrieb betreiben zu können. Doch nicht nur im Handwerk gibt es Meister, sondern auch in der Industrie – die sogenannten Industriemeister.

 

Industriemeister

Industriemeister arbeiten in Industriebetrieben als qualifizierte technische Führungskräfte. Ihr Hauptaufgabenschwerpunkt ist in der Regel die fachliche, organisationale und personelle Führung von Arbeitsgruppen und Abteilungen. Im Gegensatz zum Handwerksmeister, der seine Meisterprüfung vor der Handwerkskammer ablegt, legt der Industriemeister seine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab. Voraussetzung bei beiden Meistern ist, dass sie zuvor erfolgreich einen anerkannten Ausbildungsberuf abgeschlossen haben, der dem jeweiligen Fachgebiet zu zuordnen ist, in dem der Meistertitel erworben werden soll. Darüber hinaus müssen alle angehenden Meister über einschlägige Berufspraxis von mindestens einem oder mehr Jahren nachweisen können.

 

Industriemeister sind innerhalb des Betriebes u.a. für die Bereitstellung von Materialien, Maschinen, Werkzeugen und Transportmittel verantwortlich. In ihrer Position als technisch qualifizierte Führungskraft planen und koordinieren sie den Produktionsablauf und den benötigten Personaleinsatz. Sie führen Kontroll- und qualitätssichernde Maßnahmen durch, behalten die Kostenentwicklung in ihrem Bereich im Auge und kontrollieren die Leistungen ihrer Mitarbeiter. Im Rahmen ihrer technischen Befähigung überwachen Industriemeister die Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen von Maschinen und Anlagen und haben für die Einhaltung und Überwachung verschiedenen Bestimmungen zur Arbeitssicherheit, Brandschutz oder Umweltschutz zu sorgen.

 

Wesentliche Unterschiede zwischen Meister und Industriemeister

Neben der fachspezifischen Ausrichtung (Handwerk – Industrie) und der prüfenden und der Titel verleihenden Kammer (Handwerkskammer – Industrie- und Handelskammer) gibt es noch weitere wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Meisterarten.

 

Bis zur Novelle der Handwerksordnung in 2004 war der Meistertitel im Handwerk grundlegende Voraussetzung zur Gründung eines Handwerkbetriebs. Nach der Novelle der Handwerksordnung kann jeder in zulassungsfreien und handwerksähnlichen Berufen einen selbstständigen Betrieb gründen. Industriemeister können sich ebenfalls im Handwerk selbstständig machen. Besteht für den Handwerksbereich weiterhin die Meisterpflicht, müssen Industriemeister einen entsprechenden Handwerksmeister einstellen, da ihr Abschluss für die Erfüllung der Voraussetzung nicht ausreicht. In zulassungsfreien Bereichen, können auch Industriemeister einen selbstständigen Betrieb gründen.

 

Bei der Ausbildung von Handwerks- und Industriemeistern besteht der Unterschied in Teil 3 und 4 der Meisterprüfung. Handwerksmeister müssen hier ihre Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Rechnungswesen nachweisen sowie die Ausbilderprüfung ablegen, die sie zur Berufsausbildung in ihrem Handwerk befähigt. Die betriebswirtschaftliche Ausbildung der Handwerksmeister stellt die buchhalterische  Grundlage für die Führung eines Handwerksbetriebs dar.

 

Industriemeister lassen sich im betrieblichen Rahmen auf der Ebene zwischen einem Facharbeiter und einem Ingenieur ansiedeln. Der Abschluss als Industriemeister entspricht dem gleichen Kompetenzniveau eines Bachelor of Engineering bzw. Bachelor of Science. Allerdings  wird der Industriemeister dem Bachelorabschluss nicht als gleichartig anerkannt. Die Prüfung zum Industriemeister  besteht aus der Basisqualifikation (fachrichtungsübergreifenden Teil) und dem handlungsspezifischen Qualifikation (fachrichtungsspezifischer Teil). Auch hier gehört die Ausbildereignungsprüfung zum Abschluss der Weiterbildung. Die betriebswirtschaftliche Ausbildung eines Industriemeisters stellt eine eher „abgespeckte“ Version der Ausbildung zum Handwerksmeister dar. Sie hat starke Bezüge zur Tätigkeit eines Industriekaufmanns, so dass ein Industriemeister beispielsweise in der Lage ist Stundensätze zu berechnen oder Kalkulationen aufzustellen, jedoch mit Buchführung und Personalwirtschaft seiner Ausbildung nach im Vergleich zum Handwerksmeister eher weniger zu tun hat.

 

Handwerksmeister werden in der Handwerksrolle eingetragen. Seit der Novellierung der Handwerksordnung können sich auch Industriemeister in die Handwerksrolle eintragen lassen. Allerdings scheint es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelung dazu zu geben, so dass eventuell auch Schwierigkeiten bei der Eintragung als Industriemeister auftreten können. Wer sich in die Handwerksrolle eintragen lassen möchte, sollte daher mit seiner zuständigen Industrie- und Handelskammer Kontakt aufnehmen.